Walter Moers ist bekannt für seine Leidenschaft zu Wörtern. Es ist unglaublich, was ich bisher alles von ihm gelesen habe – Bücher voller Leidenschaft, Fantasie und grandioser Charaktere, die mir immer wieder ans Herz wachsen. Moers kann mich begeistern, fesseln, überraschen und mit seinen Romanen ein Tor zu neuen Welten schaffen.

Ihr könnt es vielleicht erahnen, aber „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ hat wieder einmal alles übertroffen. Eine spannende und lustige Geschichte und eine Reise durch das träumende Gehirn der Prinzessin Dylia Insomnia.

Die Geschichte

Schlaflos. Und das seit Tagen. Prinzessin Dylia Insomnia ist mit einer unheilbaren Krankheit geschlagen, die ihr regelmäßig den Schlaf raubt. Nach achtzehn Tagen ohne jeden Schlaf, bekommt sie Besuch von Havarius Opal, einem Nachtmahr mit schillernder, alptraumfarbener Haut. Er teilt der Prinzessin mit, sie in den Wahnsinn zu treiben, bietet ihr allerdings auch die Möglichkeit, davor eine wirklich abenteuerliche Reise durch ihr Gehirn zu unternehmen. Sie willigt ein, denn sie ist gespannt auf dieses Erlebnis. Ganz davon abgesehen bleibt ihr keine andere Möglichkeit, um Havarius Opal wieder loszuwerden. Dylia besitzt eine ungewöhnliche Leidenschaft zu langen und verzwickten Wörtern, die sie sich ausdenkt, ihre Pfauenwörter. Auch der Nachtmahr kennt sie. Überhaupt scheint er sich bestens in Dylias Gehirn auszukennen. Gemeinsam durchqueren sie Gehirngegend um Gehirngegend auf der Suche nach dem dunklen Herz der Nacht in Amygdala und erleben ein Abenteuer nach dem nächsten.

Aber es gab Dinge auf der Welt, so entschied Dylia, die zwar nicht so wichtig waren wie die Realität und auch nicht so verlässlich wie die Logik, aber dafür waren sie attraktiver.
Seite 41

Lange, verwobene Wörter, die für Außenstehende nicht zu identifizieren sind. Dafür ist die Prinzessin bekannt. Pfauenwörter, Regelbogenerfindungen – Dylia kennt sie alle, denn sie hat sie selber erfunden in schlaflosen Nächten. Nicht zu vergessen das Oberüberwort. Walter Moers benutzt Wörter wie Iktsuarpoken, Contraindikativ, Quoggonophobie und Schlimazzel, Begriffe, die man eigentlich nicht wirklich versteht, aber trotzdem mit der Geschichte in einen Zusammenhang setzen kann. Seine Liebe zu außergewöhnlichen Geschichten, außergewöhnlichen Charakteren und fantasievollen Wörtern beweist er auch in diesem Roman wieder eindrucksvoll.

Die Geschichte ist aus der dritten Person geschrieben und der Erzähler gibt Einblicke in die Gedankenwelt der Protagonistin, die durchaus interessant und sonderbar ist. Wie kann man sein eigenes Gehirn bereisen, wie sieht es dort aus? Wie entsteht eine Idee und wie zerplatzt sie wieder? Wie sehen die unterschiedlichen Hirnregionen aus? Farbenprächtige Spektakel, Zwielichtzwerge aus bunten, schillernden Seifenblasen, eine riesige, grüne Spinne, die sprechen kann und die Pfauenwörter einsammelt … Aber natürlich gibt es auch dunkle Seiten, schreckliche Zergesser, die dich umbringen wollen …

Deswegen hat man morgens dieses klebrige Zeug in den Augen. Getrockneter Traumseifenschaum. Von den erschöpfenden Tauchgängen durch die Planeten des Traumiversums.
Seite 252

Traumseifenschaum – dieses Wort habe ich oft wiederholt, nachdem ich es gelesen habe. Unglaublich oder? Es spiegelt alles wieder, was schöne Träume ausmacht und bietet Albträumen die Stirn. In meinen Gedanken sehe ich bunte Seifenblasen, die aus einer vollen Badewanne aufsteigen, zum Bersten gefüllt mit farbigem Schaum, der sich nur ganz leicht bewegt. Diese Vorstellungskraft, diese Ideen, auf die mich der Autor bringt, sind wundervoll und das, was seine Geschichten ausmachen und was mir so an ihnen gefällt.

Man sollte sich von Wörtern, die Furcht erregen wollen, einfach nicht zu sehr beeindrucken lassen […]. Es sind und bleiben immer nur Zeichen auf Papier.
Seite 41

Auch dieser Roman spielt auf dem Kontinent Zamonien, auf dem alle Geschichten von Walter Moers spielen. So findet man auch hier wieder Begriffe und Charaktere aus anderen Büchern wieder, was mir immer sehr gefällt. Es gelingt nicht jedem Autor, so grandiose Übergänge zu schaffen zu seinen Romanen. Moers ist immer etwas besonderes, einzigartiges. Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr ist ein ruhiges Buch, voller humorvoller Textstellen, die mir immer wieder ein Lachen entlockt haben. Ganz besonders schön finde ich die zahlreichen bunten Illustrationen von Lydia Rode. Am liebsten mag ich ihre Darstellung der farbenfrohen Zwielichtzwerge. Es ist das erste Mal, dass Walter Moers seinen Roman nicht selber illustriert hat. Aber die Zusammenarbeit mit Lydia Rode hat einen ernsten Hintergrund, denn sie leidet nämlich an der unheilbaren und unzureichend erforschten Krankheit Chronisches Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom (CFS), die auch Dylia betrifft. Sie nahm in einem Brief zum Autor Kontakt auf und aus einem Experiment wurde ein ganz besonderer Roman, der mehr und mehr an Bedeutung gewonnen hat.

Fazit

Literarisch wunderschön ist der neue Roman von Walter Moers, der mich wieder einmal begeistert hat. Ich liebe seinen unverblümten Schreibstil, die wundervollen Geschichten, die tollen Charaktere und nicht zuletzt die grandiosen Illustrationen, die jede Seite zu einem besonderen Abenteuer machen. Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr ist nicht nervenaufreibend, aber dafür umso humorvoller und geistreicher, denn wer erlebt schon eine Reise durch das eigene Gehirn. Ein toller Roman!


Bibliografische Angaben

Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
Verlag: Knaus
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3813507850
Seiten: 334

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