Das Aussterben bedrohter Tierarten ist immer, jeden Tag, ein Thema, mit dem man sich beschäftigen sollte. Nicht nur, da der Mensch daran Schuld trägt, sondern vor allem deswegen, da er es ändern kann. Der Mensch kann bedrohten Tierarten helfen, sich zu erholen, sie zu retten …

Das letzte Nashorn von Lodewijk van Oord ist eine tiefgründige und bewegende Geschichte über das Aussterben bedrohter Tierarten. Dabei greift der Autor außerdem die Rolle des Zoos auf, der einerseits Retter sein kann, andererseits aber eben nicht die Möglichkeiten bietet, die die Natur mit sich bringt.

Die Geschichte

Afrika an der Amstel – Das ist der neue Plan des Amsterdamer Zoodirektors Edo Morell. Er möchte die Nashorndamen Ursula und Angela mit dem Bullen Albrecht zusammenbringen und dieser Tierart noch ein paar Jahre Zeit geben, sich zu erholen. Dafür engagiert er die afrikanische Nashornexpertin Sariah, die niederländische Wurzeln besitzt. Sie nimmt das Angebot an, lässt ihr Land zurück, ihre Familie und ihre Nashörner. Edo möchte seinen Zoo bekannter, zu einem richtigen Erlebnis machen, und baut ein afrikanisches Teilgebiet, welches Sariah leiten soll. Zunächst kann sie sich nicht an den Gedanken gewöhnen, dass große Tiere eingesperrt sind, denn sie weiß: Sie gehören in ihr Land – nach Afrika. Edos Plan geht voll auf. Die Nashörner werden zu einer großen Sensation und noch immer hoffen sie, dass sich Albrecht endlich einer seiner Damen widmet …

Den Arten ist es egal, ob sie aussterben. Das letzte Exemplar hat nicht die geringste Ahnung, dass es seiner Art das Licht ausknipst.
Seite 212

Geschrieben ist der Roman aus der Sicht dreier Personen, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen. Dabei wechseln sich die Protagonisten ab. Für mich war es anfangs schwierig zu erfahren, welchem Charakter ich gerade folge, doch genau das hat die Geschichte auch so spannend gemacht. Nach ein paar Kapiteln habe ich jedoch schnell herausgefunden, in welchen Gedankengängen ich mich gerade befinde. Da gibt es den übereifrigen Zoodirektor Edo Morell, der seinen Zoo mit geschickten Schachzügen ins Rampenlicht bringen möchte. Er entwickelt Pläne, wägt ab und setzt mit ausgeklügelten Marketingkampagnen seine Pläne in die Tat um. Das komplette Gegenteil ist die sensible, emotionale und mitfühlende Sariah Malan, die ihre besondere Liebe zu den Nashörnern aus Afrika mitbringt und der Geschichte das richtige Feeling verleiht. Dann gibt es noch Frank Rida, der zwischen den Stühlen steht. An Edos Seite leitet er den Zoo und ist für ihn eine Art Vater. Er trauert seiner wissenschaftlichen Karriere nach und untermauert die Handlung durch viele wissenschaftliche Fakten, die das Buch durchaus spannend gemacht haben.

Zootiere sind leere Hüllen.
Seite 75

Das Setting der Geschichte ist der Amsterdamer Zoo, in dem sich die unterschiedlichsten Tiere befinden. Die Rolle des Zoos (auch im Allgemeinen) ist zwiegespalten. Ich möchte diese nicht verurteilen, sehe sie allerdings oft auch kritisch, was meiner Meinung nach völlig in Ordnung ist. Lodewijk van Oord spricht dieses Thema an in seinem Roman, verurteilt diese jedoch nicht. Er nimmt keine Wertung vor, sondern geht vollkommen sachlich an dieses Thema heran, was sehr positiv ist, denn somit ist Das letzte Nashorn kein Roman für oder gegen Zoos. Er fordert den Leser dazu auf, sich Gedanken zu machen, die Gedankengänge gegeneinander abzuwägen. Für mich sind alle drei nachvollziehbar, und das macht das Buch zu einem tollen Erlebnis.

Die Geschichte ist eine Kritik an uns. Eine Kritik an unserer Einstellung zu Tieren, zu anderen Artgenossen. Wir erachten uns oft als etwas größeres, wichtigeres und lassen das Leben derer außen vor, die wir retten sollten. Denn durch uns ist es erst soweit gekommen. Der Autor regt zum Nachdenken an, untermauert seine Geschichte mit vielen Fakten, die mich traurig machen. Wie können wir zulassen, dass wir vom Aussterben bedrohte Tiere immer noch jagen und töten aus reiner Geldgier, aus reinem Kommerz? Es hat eine Zeit vor den Menschen gegeben und es wird auch eine Zeit nach den Menschen geben …

Das Afrikanische Nashorn gehört nach Afrika, Sariah, und das weißt du so gut wie ich. Auch Tiere haben einen Ort, an den sie gehören. Für unsere Nashörner ist das Afrika. Wenn sie Afrika verlassen, hören sie auf, Nashörner zu sein. Was sie dann noch sind, weiß ich nicht.
Seite 135

Der Schreibstil des Autors ist ausgesprochen ruhig, aber dennoch ernst und bewegend. Für mich ist der Roman ein tolles Beispiel dafür, dass auch schwierige Themen angegangen werden können und eine Antwort auf die Frage, wie wir mit Tieren umgehen sollten.

Fazit

Lodewijk van Oord hat mich gepackt, berührt und mit seinem Schreibstil begeistert. Die Geschichte ist toll geschrieben, das Thema durchaus wichtig und grandios umgesetzt. Die Protagonisten sind vollkommen unterschiedlich und gestalten die Handlung spannend bis zur letzten Seite. Ein Roman, den man gelesen haben sollte.


Bibliografisches

Lodewijk van Oord: Das letzte Nashorn
Albrecht en wij
Verlag: Knaus
Genre: Roman
ISBN:978-3813506877
Seiten: 253

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