Hallo, ihr Lieben!

Sterbehilfe ist immer wieder ein Thema, das, besonders in der Schweiz, breit diskutiert wird, denn dort ist es möglich, auch Menschen aus anderen Ländern den Freitod zu ermöglichen durch ein bestimmtes Gift. Durch diese Einrichtungen ist es möglich, dass der Mensch als Individuum selbst entscheidet, ob und wann er sterben möchte. Dafür allerdings bedarf es wichtiger Kriterien. Der Roman Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat von Gavin Extence greift dieses Thema auf, ohne sich dabei klar für eine Seite zu positionieren. Überzeugt hat mich in der Buchhandlung neben dem Cover auch der Klappentext, der Lust macht auf mehr. Aber nun einmal zu der Geschichte und warum mir das Buch so gut gefallen hat, trotz des ernsten Themas.

Kurz und knapp

Ein Meteorit prallt auf die Erde und das Unmögliche geschieht: Er trifft einen Menschen, Alex Woods. Allerdings handelt es sich nicht um ein winziges Stück, sondern um einen prächtigen Ball eines Eisen-Nickel-Meteoriten. Alex wird ins Krankenhaus gebracht und überlebt – allerdings nicht ohne Folgen. Es stellt sich heraus, dass er an einer Temporallappenepilepsie leidet. Nicht die besten Voraussetzungen für ein normales Leben, um nicht groß aufzufallen. Wer in der Gesellschaft nicht normal ist, bietet eine fantastische Angriffsposition, doch diese Tatsache führt Alex zu Mr. Peterson und zu einer Freundschaft, die alle Grenzen überwindet. Ein einsamer, intelligenter Junge und ein eigenbrötlerischer, alter Vietnam-Veteran schließen Freundschaft bis in den Tod.

Meine Meinung

Das Erste, was ich an diesem Tag lernte, war Folgendes: Was man über einen Menschen zu wissen glaubt, ist nur ein Bruchteil der ganzen Geschichte.
Seite 142

Zunächst fing die Geschichte an, wie sie auch im Klappentext bereits erzählt wurde: Sieben Jahre nach seinem Unfall wird er von der Polizei aufgegriffen mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche. Er ist nicht bereit zu kooperieren und weiß, dass er das Richtige getan hat. Doch was ist das Richtige? Einen Menschen beim Sterben geholfen zu haben? In Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat wird frei von allen Zwängen eine bemerkenswert ernste Situation beschrieben, die humorvoll und belehrend, aber dennoch voller Traurigkeit ist. Der Autor legt einen Spagat zwischen einem kindlichen Erzählton und den trockenen Sprüchen eines Erwachsenen hin, der unglaublich fantastisch und bewundernswert ist. Ein unterhaltsamer Roman, philosophisch und tiefgründig, außergewöhnlich gut. Eine Mischung aus Traurigkeit und Freude, ein grandioses Zusammenspiel zweier Menschen, die sich durch Zufall begegnen und dessen Gesellschaft wichtiger wird, als alles andere.

Alex hat es nicht leicht in der Schule, denn die durch den Unfall entstandene Epilepsie behindert ihn stark. Er liebt das Lesen, das Versinken in einer spannenden Geschichte und das Lernen weitreichender und komplexer Themen. Besonders interessiert er sich für die Astronomie und die Physik. Das alles sind Eigenschaften, die in der Schule nicht besonders gut ankommen. (An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass sich dies auf die fiktive Idee des Autors bezieht und nicht auf alle Schulen in der heutigen Zeit!) Als Alex eines Tages vor seinen Mitschülern davon rennt, versteckt er sich im Gartenhäuschen des alten Mr. Peterson, doch da seine Mitschüler die Scheiben des Häuschens zerstört haben, bleibt es nicht bei diesem einen unfreiwilligen Besuches. Seine Mutter besteht auf eine persönliche Entschuldigung und eine angemessene Bestrafung, weshalb Alex prompt dafür eingesetzt wird, Mr. Peterson im Haushalt zu helfen. Allerdings erweist sich dieser Umstand als ein großes Glück, denn der alte Vietnam-Veteran liest ebenso gerne und schließt Alex in sein Herz. Gemeinsam ergänzen sie sich und erleben unglaublich viele schöne Momente zusammen. Nach einigen Jahren jedoch erhält Mr. Peterson eine vernichtende Diagnose und wählt für sich den Freitod. Nun steht Alex vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens. Unterstützt er seinen Freund weiterhin oder versucht er ihn umzustimmen?

Es ist immer leichter, sich dem anzupassen, was andere denken. Aber Prinzipien zu haben bedeutet, das zu tun, was richtig ist, nicht das, was leicht ist.
Seite 213

Alex entscheidet sich für das Richtige und nun kann man darüber streiten, ob es wirklich richtig oder falsch ist, doch das möchte ich hier nicht tun. Ich möchte euch sagen, was mich an diesem Roman so fasziniert hat, warum mich die Geschichte einerseits zu Tränen gerührt, andererseits aber auch zum Lachen gebracht hat. Physikalische Themen machen mich immer neugierig und Alex hat sich ein beträchtliches Wissen angeeignet, welches der Leser öfters zu spüren bekommt, wenn er in seinem Element ist und alles berichtet, was er weiß. Das macht ihn unglaublich sympathisch, denn sein Ehrgeiz ist bewundernswert und auch, wie er damit umgeht. Mr. Peterson dagegen ist alt, verbohrt und in sich gekehrt. Er interessiert sich nicht groß für andere Menschen, liebt es aber sein Gras zu rauchen. Nun treffen diese beiden unterschiedlichen und total eigensinnigen Charaktere aufeinander und bilden das perfekte Bild einer Freundschaft, die durch puren Zufall entstanden ist. Alex‘ Wissensdurst und Mr. Petersons trockener Humor haben mich oftmals zum Lachen gebracht, denn die Gespräche zwischen den beiden sind einfach fantastisch. Ich weiß, dass mich eine Textstelle laut loslachen ließ, obwohl sie an sich gar nicht so lustig war. Der Zusammenhang machte es aus und der Humor, der plötzlich aus dem Nichts auftauchte. Herrlich! Auf der anderen Seite brachte mich das Thema natürlich auf zum Weinen und die Tatsache, das Alex eine schwere Verantwortung trug, die er jedoch selbst gewählt hatte. Diese Mischung hat mich begeistert und umgehauen.

Es ist möglich, Ordnung im Chaos zu entdecken, und es ist gleichfalls möglich, Chaos hinter einer augenscheinlichen Ordnung vorzufinden. Ich glaube, eine Geschichte zu erzählen, ist der Versuch, die Komplexität des Lebens begreiflicher zu machen. Es ist das Bemühen, Ordnung vom Chaos zu trennen, Muster von Willkür.
Seite 113

Das Thema Sterbehilfe wird hier unter aller Vorsicht behandelt, denn nichts sollte man kritischer betrachten, als ein solch komplexes Thema. Dennoch geht der Autor damit relativ locker um. Er stellt dies nicht in den Vordergrund, sondern die Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten, die wirklich fabelhaft ist. Eine Freundschaft, die bis in den Tod geht, aber im Guten endet.

Fazit

Absolut fantastisch, traurig und schön erzählt Gavin Extence eine Geschichte über die Freundschaft zweier völlig verschiedener Charaktere, die das Herz beflügelt. Humor, Weisheit und Emotionalität sind drei wichtige Eigenschaften, die Extence in diesem Roman genutzt und sich damit in mein Herz geschrieben hat. Unglaublich, wie ein einziges Buch so große Wellen schlagen kann. Dieser Roman ist Ohnegleichen.


Bibliografische Angaben

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat
Gavin Extence
Verlag: Blanvalet
Genre: Roman
ISBN: 978-3734100987
Seiten: 472

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