Liebe Bibliomanten!

Als ich seit Jahren endlich wieder zum ersten Band gegriffen habe und dieser mich vollkommen begeistert hat, musste ich gleich mit dem zweiten Teil beginnen, der bereits eine Weile in meinem Regal verbracht hat – ungelesen. Die Seiten der Welt – Nachtland ist eine wunderbare Fortsetzung einer Geschichte über die Liebe zu Büchern und die Bibliomantik. Es ist ebenfalls eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Aufopferung.

 

Kurz und knapp

Furia hat ihren Bruder Pip gemeinsam mit ihren Freunden gerettet, doch der Kampf geht weiter, denn die Bibliomantik ist noch nicht gerettet. Die Macht der Drei Häuser ist ungebrochen und noch immer herrschen die Lohenmuts, die Cantos und die Himmels von einem geheimen Ort aus, dem Sanktuarium. Dort entscheiden sie über alle Lebewesen und die Refugien. Furia baut eine Widerstandsgruppe auf, um sich und ihre Welt von den Unterdrückern zu befreien, doch dies wird alles andere als einfach. Sie verursachen Anschläge, doch die Drei Häuser schlagen mit doppelter Kraft zurück, sodass Furia, ihre Freunde und zahlreiche Exlibris in die Residenz der Fearfax‘ ausweichen müssen. Bei ihnen ist die Bibliomantin Isis Nimmernis, die durch Furia ebenfalls eine Exlibri ist, was bisher unmöglich war. Zusammen durchspringen sie Welten, doch als plötzlich ein enger Vertrauter von Isis auftaucht, welchselt sie die Seiten. Furia kann und will es nicht glauben. Sie vermutet dahinter eine Taktik und macht sich gemeinsam mit Cat auf die Suche nach dem Zentrum der Macht. Sie ist mittlerweile stark genug, durch Refugien zu springen und jemanden dabei mitzunehmen. Am Ende ihrer Reise stoßen sie auf das größte Geheimnis der Bibliomantik und Furia ist es nicht möglich, es zu zerstören.

 

Meine Meinung

 

„Schon seit Wochen roch Furia nach Büchern: Sie war auf dem besten Weg,
eine erstklassige Bibliomantin zu werden.“
Seite 7

 

Im ersten Band haben wir Furia begleitet, wie sie Pip gerettet hat. In ihren schlimmsten Zeiten standen wir ihr bei und haben mit ihr gefühlt. Nun ist sie älter und lernt, mit ihrem Seelenbuch besser umzugehen, damit sie die Kraft der Bibliomantik vollends ausschöpfen kann. In der Residenz formiert sich allerdings nebenbei ein Widerstand, der gegen die Macht der Drei Häuser kämpft, gegen die Unterdrückung, die in den Ghettos und Refugien herrscht. Ihre Kraft wird viel eher gefordert, als gedacht und auch ihre Freunde müssen kämpfen, denn die Akademie hat ihre Leute überall. Nachdem die Bücher der Schaffung der Bibliomantik in der Residenz sicher untergebracht sind, diskutieren sie über weitere Schritte, als Ariel umgebracht wird, ein Exlibro, der mit der Bewachung der Bücher betraut war. Dafür kann nur eine in Frage kommen: Isis Nimmernis, die die Seiten gewechselt hat, doch Furia glaubt nicht an diese Theorie. Wieso sollte Isis ihre besten Freunde töten? Sie macht sich auf den Weg zum Sanktuarium, dem Zentrum der Macht, um den Spuk ein für alle Mal zu beenden. Auf dem Weg begegnet sie Tintlingen, die die Seiten der Welt belagern und den Ideen, die darauf aus sind, alle Lebewesen zu zerstören. Die gefährliche Suche nach dem Sanktuarium fordert Furias gesamte Aufmerksamkeit. Das Geheimnis der Bibliomantik ist dort verborgen, aber es ist weitaus größer, als sie es erwartet hat.

Schon Band eins konnte mich durch die Sprachgewalt beeindrucken und ich war natürlich sehr gespannt, wie die Geschichte weiter gehen sollte. Kai Meyer beschreibt unglaublich gefühlvoll die Welt der Bücher, woraus er die Bibliomantik entwickelt hat, eine Macht, mit Büchern und Worten neu umzugehen. Mit ihr kann man Macht ausüben, anderen Menschen den eigenen Willen aufzwingen, Lebewesen helfen oder anderes bewerkstelligen. Ich habe bereits einige Bücher gelesen, in denen es um Bücher ging und alle waren sie anders. Kai Meyer ist ein Sprachtalent und er ruft in mir die schönsten Bilder hervor, die sich beim Lesen ergeben. So habe ich jedes Mal das Gefühl, mittendrin zu sein und nicht bloß als Zuschauer daneben zu stehen.

 

„Bücher wird es immer geben. Und Leute, die sie lesen.“
Seite 333

 

Phantasie spielt in diesem grandiosen Roman eine wichtige Rolle, denn die Geschichte spielt nicht nur in der heutigen Welt. Nebenbei existieren zahlreiche Refugien, die lediglich durch ein Tor zu erreichen sind. Diese Tore lassen sich nur mithilfe der Bibliomantik öffnen. Außerdem gibt es Städte, wie Libropolis, in denen Exlibris leben und Menschen, die keine bibliomantischen Kräfte besitzen. Die Mischung aus Realität und Fiction ist Meyer sehr gut gelungen, denn obwohl ein eher ungleiches Verhältnis zwischen diesen Bereichen herrscht, ist die Verbindung der beiden einwandfrei. Die Charaktere sind spannend und ihre Gedanken nicht allzu schnell vorhersehbar, sodass ich selten wusste, was im nächsten Augenblick passiert. Voller Ereignisse und Spannung erzählt der Autor die Geschichte und bietet dem Leser an den richtigen Stellen eine sanfte Passage, in der das Luftholen möglich ist.

 

„Sie nehmen uns die Menschen, die wir lieben, und lassen uns Dinge tun, die wir vorher niemals hätten tun wollen. Selbst denen, die gegen sie kämpfen, zwingen sie noch Rollen auf.“
Seite 361

 

Fazit

Kai Meyer lobe ich immer in den Himmel, doch nicht ohne Grund. Seitdem ich Die Wellenläufer durchgelesen hatte, mochte ich ihn nicht mehr loslassen. Seine Geschichten sind spannend und sehr verschieden und haben mir immer wieder etwas Neues geschenkt. Auch Die Seiten der Welt – Nachtland kann ich nur wärmstens für alle Fans empfehlen und auch für diejenigen unter euch, denen Kai Meyer noch nicht so bekannt ist. Die Handlung ist wunderschön und beeindruckend, seine Welten grandios inszeniert und die Charaktere ein einzigartiges Bild von Gut und Böse.

Der Roman erhält natürlich ein

Ohnegleichen

 


Bibliografische Angaben

Die Seiten der Welt – Nachtland
Kai Meyer
Verlag: Fischer Jugendbuch
Genre: Roman
ISBN: 978-3841421661
Seiten: 591

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