Hallo, liebe Bibliomanten!

Kai Meyer ist ein Autor, der mich bereits viele Jahre lang begleitet mit seinen Büchern und immer wieder neu begeistert und überrascht. Das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe war Die Wellenläufer und heute möchte ich euch Die Seiten der Welt vorstellen, der Auftakt einer neuen Reihe, in der es um die Welt der Bücher geht, um die Bibliomantik und um Exlibris, welche in diesem Roman eine ganz neue Bedeutung erhalten. Es geht um Seelenbücher und um leere Bücher, dessen Sinn im Verborgenen liegt.

 

Kurz und knapp

Furia Salamandra Fearfax ist, wie auch ein großer Teil ihrer Familie, kein gewöhnliches Mädchen. Sie lebt in einer Welt der Bücher. Genau wie ihr Vater ist auch sie eine Bibliomantin. Mit Hilfe der Wörter kann sie Kräfte entwickeln und diese gegen andere Menschen oder Bibliomanten einsetzen. Ihre Familie besitzt eine unvorstellbar große Bibliothek, die sich tief unter der Erde befindet. In ihr verbringt Furia einen großen Teil ihrer Freizeit um ein ganz bestimmtes Buch zu suchen: ihr Seelenbuch, denn damit kann sie die Macht der Worte entfesseln. Sie ist ungeduldig, obwohl sie weiß, dass ihr Seelenbuch sie findet, wenn die Zeit gekommen ist und nicht umgekehrt. Gemeinsam mit ihrem Vater springt sie an verschiedene Orte um leere Bücher zu finden, die ihr Vater mithilfe der Schattentinte zerstört. Diese können das Ende der Bibliomantik hervorbringen, wenn sie nicht unschädlich gemacht werden. Plötzlich ist nichts mehr wie es war. Ihr Vater überlebt den Sprung nach Hause nicht und Furia ist alleine. Sie weiß, dass die Adamitische Akademie ihr auf den Fersen ist, doch keiner kann ihr den Grund für dieses Rätsel nennen. Furia nimmt all ihre Kraft zusammen und flieht zusammen mit ihrem Bruder Pip, doch sie schaffen es nicht gemeinsam. Furia muss ihn zurücklassen und einen anderen Weg finden, ihn zu retten. Sie macht sich auf den Weg nach Libropolis und trifft dort Cat und Finnian, die ihr eigenes Laster zu tragen haben, doch sie helfen Furia ihren Bruder zu befreien. Es beginnt ein Kampf um das Überleben und nur sie kann die bibliomantische Welt vor dem Untergang bewahren.

 

Meine Meinung

 

„Während sie die Stufen zur Bibliothek hinablief, konnte Furia die Geschichten schon riechen: den besten Geruch der Welt.“
(Seite 9)

 

Jedes Buch geheime Seiten und in diesem Fall stimmt es wirklich, denn als ich den Roman zum ersten Mal aufschlug, fiel mir ein helles Lesezeichen in den Schoß mit der Aufschrift Libropolis. Dass dies gleichzeitig einen großen Teil der Geschichte ausmacht, habe ich nicht erwartet. Libropolis ist eine Stadt, die man nur durch dieses Lesezeichen betreten kann. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Eintrittskarte, die man nicht leichtfertig zugeteilt bekommt. Furia muss nach dem Tod ihres Vaters mit ansehen, wie ihr Bruder verschleppt wird. Um ihn zu retten befolgt sie den letzten Wunsch ihres Vaters und geht nach Libropolis zu Kyriss, doch dieser kann ihr nicht helfen. Sie glaubt ihren Ohren nicht zu hören, denn sie war der festen Überzeugung, dass ihr Vater sie nur aus diesem Grund dorthin geschickt hat. Als die Akademie plötzlich auftaucht, flieht sie und trifft auf Cat und Finnian, denen sie wohl oder übel vertrauen muss, denn die beiden kennen sich im Gegensatz zu ihr in dieser Stadt aus. Überall gibt es Buchläden und Bibliotheken, doch es herrscht kein reges Kommen und Gehen. Wer hier ein Buch sucht, kauft es für viel Geld, doch zunächst muss er jeden Buchladen durchforsten, denn es gibt keine Auflistung des Bestandes oder Ähnliches. Es ist eine Stadt der Unterdrückung. Exlibris leben in Ghettos und müssen Tag für Tag um das Überleben kämpfen. Es sind Figuren, die aus Büchern hervorkommen wenn ein Bibliomant die Kraft seines Seelenbuches nutzt.

 

„In Wahrheit erzählt es nicht vom Guten und Bösen im Menschen, sondern von der Literatur. Von dem, was Bücher bewirken können, indem sie Schwarz und Weiß zu Grautönen vermischen.“
(Seite 379f.)

 

Kai Meyer vereint in diesem Roman unterschiedlichste Charaktere. Zunächst lernen wir alle Personen im Anwesen der Fearfax‘ kennen: Furia, ihren Vater Tiberius und ihren Bruder Pip, Wackford, Sunderland und Pauline, die Köchin. Plötzlich kommen zahlreiche dazu, aber nie verliert man den Überblick. Alle sind so wunderbar miteinander verknüpft, dass man sich als Leser nie Gedanken darüber machen muss, in welchem Zusammenhang das Ganze geschieht.

Ein Buch über Bücher zu schreiben wird entweder ein voller Erfolg oder ein Reinfall. Wir, die wir die Welt der Bücher lieben, kennen uns aus und ein Autor, der sich mit seiner Geschichte in diese Welt wagt als Thema seines eigenen Buches, muss damit klarkommen, dass Leser ungehalten werden und das Buch verschmähen. Zum Glück trifft dies auf Die Seiten der Welt nicht zu. Kai Meyer bedient sich zwar an den Büchern und der Liebe zu ihnen, entwickelt aber aus eigener Kraft etwas ganz Neues und Wunderbares, dass uns Leser begeistert, da es unsere Welt besser macht. Ich habe nicht das Gefühl gehabt, etwas aus der Geschichte bereits zu wissen, sondern mit ihr gemeinsam Neues zu erfahren. Die Handlung ist nicht vorhersehbar, sondern unglaublich spannend und gefühlvoll.

 

„Wie hoch muss man die wunderbare Macht der Bücher schätzen, da wir durch sie sowohl die Grenzen der Erde als auch der Zeit unterscheiden können. Wir betrachten in ihnen, wie in einem Spiegel der Ewigkeit, die Dinge, die sind, und die Dinge, die nicht sind.“
Richard de Bury

 

Fazit

Handlung und Charaktere sind wunderbar inszeniert und spannend in die Welt der Bibliomantik eingebracht. Die neue Welt, die Kai Meyer erschaffen hat, erstreckt sich noch viel weiter, als ich es bis jetzt erfahren habe, denn es gibt bis jetzt noch zwei weitere Bände, die tiefer in das Reich hinein führen und Furia neue Abenteuer erleben lassen. Ich bin gespannt auf die folgenden Bücher und werde Kai Meyer wie immer in Ehren halten.

Die Seiten der Welt erhält ein verdientes

Ohnegleichen

 


Bibliografische Angaben

Die Seiten der Welt
Kai Meyer
Verlag: Fischer Jugendbuch
Genre: Roman
ISBN: 978-3841421654
Seiten: 556

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