Liebe Buchmenschen!

Eine ungewöhnliche Geschichte hat es in mein Bücherregal geschafft vor ein paar Monaten und jetzt endlich habe ich sie gelesen. Willkommen in Night Vale hat viele Blogger begeistert und der Klappentext reizte mich sehr: „Night Vale ist völlig anders als alle anderen Städte, die Sie kennen – und doch seltsam vertraut“. Ich wollte wissen, was dieses Städtchen ausmacht, was das Besondere ist und wieso keiner aus Night Vale heraus kann. Fantasy ist absolut mein Fall, doch hier fällt mir nur ein Gedanke ein: skurril.

 

Kurz und knapp

Night Vale ist eine Stadt der Gegensätze. Ein Ja kann hier genauso gut das Gegenteil bedeuten und keinen stört diese Tatsache. Night Vale ist eine Stadt mitten in der Wüste, mit einigen Einwohnern, die niemals wegziehen. Manchmal kommen welche hinzu, doch alle anderen bleiben einfach. Sie werden geboren und gehen nicht weg. Jackie Fierro leitet das einzige Pfandhaus in der Stadt, doch niemand kennt es. Wenn die Bewohner der Stadt etwas verpfänden wollen, so werden sie wissen, wo es ist und erscheinen. Es funktioniert jedoch nicht so, wie wir es kennen aus unserer Realität. Man kann alles verpfänden, zum Beispiel eine Träne oder Plastikflamingos, und immer erhält man dafür elf Dollar und stirbt daraufhin kurz. Es ist vollkommen egal, was man verpfändet. Jackie nimmt alles an. Es ist allerdings auch möglich, eine ruhige Nacht oder Ähnliches zu erwerben. Eines Tages erhält sie einen Zettel, auf dem lediglich zwei Wörter stehen: King City. Plötzlich möchte sie ihren Laden nicht mehr weiterführen und ihr Leben scheint sich komplett verändert zu haben. Sie macht sich auf den Weg, den Mann zu suchen, der ihr diesen Zettel gegeben hat. Dabei trifft sie auf Diane Crayton. Zusammen verfolgen sie Spur für Spur…

 

Meine Meinung

 

„Ich weiß, wonach du suchst. Ich weiß, was geschehen ist. Und ich weiß, dass es sehr gefährlich wird. Vielleicht überlebst du es nicht. Und wenn doch, wirst du nicht mehr dieselbe sein. So gesehen wirst du nachher definitiv nicht mehr existieren, und das tut mir leid.“ (Seite 64)

 

Auf den ersten hundert Seiten kam ich unglaublich schlecht in die Geschichte rein, denn durch die Zugfahrt konnte ich nicht wirklich viel auf einmal lesen und musste mir das Buch in Kapiteln unterteilen. So habe ich die Zusammenhänge gar nicht verstanden und die Geschichte an sich ebenfalls nicht. Das war unglaublich schade. Ich wusste zwar, was passiert ist, doch welche Auswirkungen das Ganze hat und wie die Charaktere miteinander verbunden sind, wurde mir absolut gar nicht klar. Erst nach etwa 100 Seiten wusste ich, worum es wirklich geht. Night Vale ist eine Wüstenstadt, doch Raum und Zeit entsprechen nicht unserer Realität. In dieser Stadt haben sie kaum eine Bedeutung. Natürlich gibt es Tage und Wochen, doch eigentlich interessiert es keinen. Die Bewohner von Night Vale sind zahllosen Regeln ausgesetzt, die nicht unglaublicher sein könnten. Schreibgeräte jeder Art sind verboten und die Regierung erscheint bedrohlich. Gebäude sind denkende Persönlichkeiten, die einen eigenen Willen haben. Da gibt es beispielsweise die Bibliothek, die das gefährlichste Gebäude Night Vales ist. Man sollte sie niemals betreten, ohne Utensilien mitzunehmen, die den Tod abwehren könnten. Da reicht schon ein Kompass, der die Richtung zum Ausgang zeigt. Die Bibliothek wird bewacht von Bibliothekaren, die nur darauf warten, das Bürger der Stadt vorbeikommen, um sie dann verspeisen zu können. Allgemein ist das Leben in Night Vale nicht leicht, doch man gewöhnt sich daran und hört auf, alles zu hinterfragen.

Leider konnten mich Fink und Cranor mit ihrer skurrilen aber trotzdem spannenden Geschichte nicht so recht packen. Durch den schweren Einstieg quälte ich mich von Kapitel zu Kapitel um zu erfahren, was denn nun eigentlich los ist. Willkommen in Night Vale spielt in einer Science Fiction-Welt, die teilweise doch real ist. Dass genau das der Punkt ist, um den sich die Geschichte dreht, habe ich erst viel später begriffen. Als eine Stadt der Gegensätze ist es manchmal schwierig zu verstehen, mit welcher Absicht die Charaktere ihre Aufgaben erledigen. Die Protagonisten Diane und Jackie sind absolut verschieden und doch sind sie miteinander verbunden. Sie sind Mutter und Tochter, aber auch Geschwister. Die Erzählweise wechselt zwischen den beiden und so erfährt der Leser die Hintergrundinformationen über beide Charaktere. Interessant ist, dass sich Jackie nicht mehr an ihre Kindheit erinnert, auch wenn sie sich im Haus ihrer Mutter befindet. Sie hat das Gefühl, schon immer ihr Pfandhaus geleitet zu haben. Diane dagegen hat noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: ihr Sohn Josh. Er verschwindet plötzlich spurlos und die beiden machen sich auf die Suche nach ihm…

 

„Nicht viele Menschen ziehen nach Night Vale, und die meisten, die hier geboren werden, ziehen niemals weg.“ (Seite 93)

 

Willkommen in Night Vale ist seltsam und mysteriös. Mittlerweile bin ich durch die Handlung durchgestiegen, doch irgendwie geht mir das Buch nicht aus dem Kopf. Das liegt vielleicht daran, dass es nicht so häufig vorkommt, dass ich ein Buch nicht verstehe. Vielleicht muss ich die Geschichte irgendwann nochmal lesen, um sie besser verstehen zu können. Der spannende Abschluss hat mich aber wieder ein bisschen positiver gestimmt, sodass ich es mit einem guten Gefühl beenden konnte.

 

Fazit

Obwohl ich vorbereitet war auf eine skurrile und ungewöhnliche Geschichte, war ich doch überrascht, wie merkwürdig die Gegebenheiten waren. Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich vielleicht falsch an das Buch herangegangen?

Willkommen von Night Vale ist für mich

Annehmbar

 


Bibliografische Angaben

Willkommen in Night Vale
Joseph Fink, Jeffrey Cranor
Verlag: Klett-Cotta/Hobbit Presse
Genre: Science Fiction
ISBN: 978-3608961379
Seiten: 378

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