Hallo, liebe Blaubären, Wolpertinger und alle anderen Bewohner Zamoniens!

Walter Moers ist ein begnadeter Autor. Das steht außer Frage. Seitdem ich Die Stadt der Träumenden Bücher gelesen habe, verschlinge ich jedes seiner Bücher. Mein neustes Exemplar habe ich heute ausgelesen und wieder einmal ziehe ich den Hut vor so viel Leidenschaft und Fantasie! Neben J. R. R. Tolkien und Joanne Rowling kann Moers definitiv mithalten. Ich liebe die Charaktere und die wunderschönen Illustrationen, die jede Seite zu einem noch größeren Erlebnis machen. Ich präsentiere euch nun einen Roman, der schon jetzt mein absolutes Highlight ist:

 

Kurz und knapp

In 13 1/2 Leben kommt Blaubär auf dem Kontinent Zamonien sehr viel herum. Sein Leben beginnt in einer Walnussschale. Auf hoher See treibt er dem Malmstrom direkt in die Arme, doch auf wundersame Weise wird er von den Zwergpiraten gerettet. Sie sind die Herrscher des Zamonischen Ozeans und aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten als einzige dazu imstande, dem Malmstrom zu trotzen. Blaubär lernt alles über das Leben auf hoher See. Wie bindet man perfekte Knoten und wie erkenne ich welche Wellen. Es gibt nämlich viele unterschiedliche Arten, die alle eine andere Bedeutung besitzen. Mit den Jahren wird er zu groß für das Schiff der Zwergpiraten und landet auf einer Insel, alleine unter Palmen. Doch mit der Dunkelheit in der Nacht kommen die Klabautergeister und er lebt bei ihnen, denn wo soll er sonst hin. Klabautergeister besitzen keinerlei Gefühle und sind deshalb sehr interessiert an den Gefühlsausbrüchen anderer Daseinsformen. So gibt Blaubär jede Nacht große Ovationen von Heulkrämpfen von sich. Als er wieder aufbrechen muss, landet er auf einem weiteren Fleck in Zamonien und wieder bleibt er mehrere Jahre. So lebt er noch auf der Feinschmeckerinsel, verdingt sich als Navigator oder lebt in einer Tornadostadt. Es ist immer etwas los…

 

Meine Meinung

 

„Ein Blaubär hat siebenundzwanzig Leben. Dreizehneinhalb davon werde ich in diesem Buch preisgeben, über die anderen werde ich schweigen. Ein Bär muss seine dunklen Seiten haben, das macht ihn attraktiv und mysteriös.“ (Seite 6)

 

Ich wusste von Beginn an, dass ich bei diesem fantastischen Roman gar nichts falsch machen kann. Walter Moers hat mich einfach schon viel zu oft positiv überrascht, sodass ich mir sicher war, auch dieses Mal alles richtig zu machen mit dieser besonderen Ausgabe von Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär. Alle Illustrationen sind in Farbe angefertigt und treffen ganz wunderbar den Stil des Covers. Die Illustrationen des Autors tragen viel zur Verständlichkeit der Charaktere bei, denn so ist es möglich, den Kontinent Zamonien mit den Augen des Autors zu sehen. Der Leser sieht genau, wie zum Beispiel ein Wolpertinger aussieht oder ein Nattifftoffe. Es ist unglaublich, wie detailgetreu hier gearbeitet wurde. Die Farben kommen prächtig zur Geltung und auch die Gestaltung des Covers ist im Buch wiederzufinden. Aber komme ich nun zu der Geschichte:
Blaubär ist ein Blaubär, doch anders als alle anderen wächst er nicht bei Seinesgleichen auf. Er lebt mal hier, mal dort, immer ein paar Jahre, bis er manchmal freiwillig, manchmal aber auch unfreiwillig wieder woanders landet. Er durchlebt eine Gefahr nach der anderen. Das beginnt mit dem tödlichen Malmstrom und geht weiter mit der Feinschmeckerinsel. Dies ist eine Wasserpflanze aus der Familie der Verschlingpflanzen. Sie ist in der Lage, sich in ein schwimmendes Paradies zu verwandeln und Lebewesen so anzulocken und zu mästen, um sie danach selber zu verspeisen. Als Blaubär dies begreift ist es bereits zu spät. Als er sich bereits in der Nähe des Mauls befindet wird er jedoch gerettet von Mac, eigentlich Deus X. Machina, einem Rettungssaurier.

 

„Hatte ich bei Mac die Welt von oben kennengelernt, so erschloss sie sich mir jetzt von innen. Ich fing an zu begreifen, wie die Dinge zusammenhängen, von der Zellstruktur eines Pusteblumensamens bis hin zu einem explodierenden Stern im Pferdekopfnebel.“ (Seite 140)

 

Blaubärs fünftes Leben verbringt er hoch in der Luft auf Macs Rücken. Er ist Navigator und unterstützt Mac bei seiner Arbeit als Rettungssaurier – Daseinsformen in letzter Sekunde aus einem Schlamassel zu retten. Dies ist mein absoluter Lieblingsteil. Vielleicht, weil mir der Charakter so unglaublich sympathisch ist. Mac ist groß, weise und sehr liebenswürdig. Blaubär ist klein und schlau und vor allem immer hilfsbereit. Zusammen sind sie unschlagbar und es wird nie langweilig. Das wird es natürlich in seinen folgenden Leben auch nicht, doch dieses ist mir das Liebste.

Walter Moers hat mit diesem Buch wieder einmal Welten geöffnet. Alle seine Romane spielen auf dem Kontinent Zamonien und sind teilweise miteinander verknüpft. Kleine Details von einem Buch findet man immer auch in einem anderen wieder und das passt sehr gut, da die Charaktere auch immer wieder Nebenrollen in anderen Geschichten spielen. Der Autor weiß, wie man Massen anpackt und sie mit Leidenschaft festhält und in den Bann zieht. Die Geschichte ist so wunderbar miteinander verwoben, dass es überhaupt nicht stört, dass Blaubär in jedem Kapitel sein Leben an einem anderen Platz verbringt. Die Übergänge sind einfach perfekt und die Spannung wird jedes Mal aufs Neue gesteigert. Jede Seite bietet unglaubliche Überraschungen, die immer wieder getoppt werden. Unzählige Charaktere werden vorgestellt und mit einem Lexikonartikel unterstützt. So erfahren wir wichtige Informationen, die auch noch wunderschön in den Fließtext eingebaut sind. Der Lesefluss wird dadurch kein einziges Mal behindert. Die Einträge sind sehr willkommen und lockern den tollen, aber nicht sehr einfachen Schreibstil auf. Moers gibt Charakteren, sowie anderen Daseinsformen, unglaublich lange und teilweise komplizierte Namen, die nicht leicht zu behalten sind. So kann man aber ein paar Seiten zurückblättern und den Lexikoneintrag noch einmal lesen. Das Besondere ist, dass Blaubär dieses Lexikon in sich trägt durch den Unterricht an der Nachtschule bei Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, einem Eydeeten mit unvorstellbarer Geisteskraft.

 

„Das ist eine sehr interessante Denkungsart. Daraus würde ich folgern, dass Erfahrung die Summe von Ignoranz und militanter Dummheit ist.“ (Seite 152)

 

Das habt ihr nicht verstanden? Macht nichts. Es ist nicht wichtig, alles sofort zu begreifen, sondern sich leiten zu lassen von der Kreativität und Fantasie des Autors. Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär wird eben auch aus der Sicht des Blaubären berichtet und dieser bringt den Leser an den richtigen Stellen zum Lachen und lässt ihn wiederum an anderen Textpassagen nachgrübeln. Eine wunderbare Mischung mit einem einzigartigen, humorvollen, spannenden, fesselnden und fantastischen Schreibstil, der das Leben eines kleinen Blaubären in großem Ausmaß beschreibt.

 

Fazit

Literarisch wunderschön und mit vielen tollen Zitaten lege ich den Roman nach mehr als 700 Seiten zur Seite. Ich werde den Blaubären und seine verrückten Leben vermissen. Wer kann schon von sich behaupten, auf einer Insel gelebt zu haben, die eigentlich eine Verschlingpflanze ist? Oder wer hat schon einmal in einer Tornadostadt gelebt? Wer hat von einem riesigen Schiff aus gesehen, wie eine gesamte Stadt ins All geflogen ist? Jeder, der dieses Buch liest, hat es erlebt!

Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär verdient hochachtungsvoll ein

Ohnegleichen

 


Bibliografische Angaben

Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär
Walter Moers
Verlag: Albrecht Knaus
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3813505726
Seiten: 701

 

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