Hallo, liebe Literaturjunkies!

Das Jahr neigt sich wieder einmal dem Ende zu und aus diesem Anlass möchte ich euch meine Jahreshighlights 2016 vorstellen. Hierzu habe ich mich lediglich für fünf entschieden, obwohl es noch so viele mehr waren. Aber das hätte wohl den Rahmen dieses Beitrages gesprengt. Mir kommt es so vor, als sei das Jahr 2016 wie im Fluge vergangen und obwohl ich viel lesen wollte, habe ich gar nicht alles geschafft, was auf meiner Liste stand.

 

Meine Jahreshighlights

 

„Die Welt, wie wir sie kannten“ von Susan Beth Pfeffer

 

Ein Asteroid soll auf dem Mond einschlagen – ein Spektakel, das sich jeder ansehen möchte. Auch Mirandas Familie. Seit Tagen wird über nichts anderes geredet und dann ist es endlich soweit. Alle stehen am Fenster oder auf der Straße und schauen zu, wie sich der Asteroid dem Mond nähert. Doch dann geschieht etwas Unvorhergesehendes: Der Mond wird aus seiner natürlichen Umlaufbahn geworfen und in kürzester Zeit bedrohen Naturkatastrophen die Welt. Ganze Küstenstriche werden vom Wasser überspühlt, Erdbeben lösen Vulkane aus, die längst versiegt sind. Die Vulkanasche breitet sich überall aus und verdeckt die Sonne. Die Bevölkerung wird dezimiert, die Luft reicht nicht mehr zum Atmen und die Supermärkte sind leer. Miranda und ihre Familie können von Glück reden, dass sie rechtzeitig Lebensmittel in Massen ins Haus geschafft haben. Die Temperaturen sinken gewaltig und statt einem strahlendem Sommer gibt es den ersten Frost. Alle fragen sich, wie dann erst der Winter werden soll. Zitternd vor Kälte, hungrig und kraftlos beginnt ein Kampf ums nackte Überleben und Miranda weiß, dass die besten Zeiten längst in der Vergangenheit liegen.
Die Geschichte ist eine Art Tagebuch. Miranda, die Protagonistin schreibt alles auf, was passiert in ihrer schwersten Zeit des Lebens. Nicht jeden Tag lesen wir einen Eintrag von ihr, doch annähernd. Auch wenn es bei den Tagen, an denen Miranda schreibt, immer wieder ein paar größere Lücken gibt, entstehen keine Lücken in der Geschichte selbst. Fortlaufend spannend und ereignisreich führt uns die Autorin in eine andere Welt, die ich manchmal auch in der Realität nicht loslassen konnte. Ich habe das Buch zur Seite gelegt und wusste plötzlich nicht mehr, ob diese Szenarien auch in der richtigen Welt aktuell sind. Das ist vollkommen verrückt, doch die Geschichte hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich mir nicht mehr sicher war, was Realität und was Fiction ist. Dies finde ich eine beachtliche Leistung der Autorin, denn sie hat es geschafft, dass ich der Geschichte literarisch gesprochen an den Lippen hänge.

 

„Gehe hin, stelle einen Wächter“ von Harper Lee

 

Jean Louise Finch ist erwachsen geworden und lebt in New York, einer turbulenten Stadt. Jedes Jahr besucht sie ihren Vater in ihrer Heimatstadt Maycomb, Alabama, und verbringt ein paar Wochen im Sommer bei ihrer Familie. Doch es scheint sich etwas verändert zu haben. Jean Louise entdeckt plötzlich ungeahnte Seiten an den Menschen, die ihr am nächsten stehen und ihr Vater, Atticus, stellt ihr Weltbild vollkommen auf den Kopf. Bisher sah sie in ihm immer ein Vorbild, der sich für alle Menschen einsetzt, auch für Andersfarbige. Noch gut kann sie sich an den Prozess erinnern, bei dem ihr Vater einen schwarzen Landarbeiter verteidigt hat, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. Doch nun scheint einiges anders zu sein. Die Schere zwischen Arm und Reich und zwischen Schwarz und Weiß geht noch weiter auseinander und Jean Louise erkennt ihren Vater nicht mehr wieder. Sie muss lernen, sich von der Vergangenheit zu verabschieden und ihr eigenes Leben aufzubauen, unabhängig von ihrem Vater.
Dieser Roman ist eine Fortsetzung des Weltbestsellers Wer die Nachtigall stört… Als aufrüttelnde Vorlage gegen Rassismus und für Zivilcourage stellt der zweite Teil nun einen gewissen Gegensatz dar. Die Protagonistin ist erwachsen geworden und muss sich nun auch so verhalten. Sie muss sich von ihrem Vater emanzipieren, unabhängig werden, um sich selbst zu finden. Vorrangig geht es um Jean Louise und nicht mehr um die Geschichte der Gesellschaft, um die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüche.
Der auktoriale Erzähler berichtet uns aus seiner Sicht die Geschehnisse und lässt dabei deutlich die Gefühle der Hauptpersonen herausstechen. Trotzdem geht dies mit einer unausgesprochenen Sachlichkeit einher, die mir bereits im ersten Teil aufgefallen ist. Ich habe die gesamte Geschichte über das Gefühl gehabt, dabei zu sein, nicht als eine bestimmte Person, sondern als stiller Begleiter neben der Protagonistin herzulaufen. Auch als eine Art Zeitdokument wird die Geschichte lebendig und Harper Lee berichtet gefühlvoll und mit großer Leidenschaft den schmerzvollen Prozess der Emanzipation Jean Louises gegenüber ihrem Vater.
Der Schreibstil ist überwältigend und brennt sich förmlich in das Herz ein. Packend erzählt Lee mit sogenannten Flashbacks die Geschichte der Jean Louise und begeistert mich damit aufs Neue. Intelligenz und Leidenschaft lassen den Roman hervorstechen und machen ihn zu einem grandiosen Buch, welches den Leser mitzieht. Jeder Satz schwingt vor Herrlichkeit und Wortgewalt und die Autorin versteht es, den Leser mitten im Herzen zu treffen.

 

„Die Analphabetin, die rechnen konnte“ von Jonas Jonasson

 

Nombeko lebt im größten Slum Südafrikas und alles deutet darauf hin, dass sie früh sterben wird. Mit fünf fing sie an zu arbeiten, mit zehn starben ihre Eltern und mit fünfzehn wird sie von einem Auto überfahren. Was sie kann: rechnen. Der Unfallverursacher stellt Nombeko bei sich als Putzfrau ein, doch erteilt er ihr immer mehr Aufgaben, auch im Bereich der Verwaltung seines Ingenieurbüros. Er ist nämlich mit einer nicht sehr hoch ausgebildeten Intelligenz gesegnet und da kommt Nombeko ihm gerade recht. Jahrelang hilft sie ihm bei der Planung von Atomwaffen, doch durch ein unglückliches Schicksal, bei dem der Ingenieur sich verzählt hat, existiert nun eine Atombombe, die eigentlich nicht existieren dürfte. Ihr Weg führt sie nach dem Tod des Ingenieurs nach Schweden und dort in die Hände von Holger und Holger, zwei Brüdern, die nicht unterschiedlicher hätten sein können.
Bereits das Debüt Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand konnte mich derart begeistern, dass ich sofort das zweite Buch lesen wollte. Recht schnell, nachdem ich es gekauft habe, beschloss ich, es auch tatsächlich zu lesen, denn gerne wollte ich wieder in die skurille Welt abtauchen, in die Jonasson mich mitnahm.
In diesem Roman vermischen sich Spannung, Humor und Intelligenz, die eine wahrlich skurille Mischung ergeben. Ganz abgesehen von den vorzüglichen Protagonisten. Einige liebt man, andere hasst man. Die Brüder Holger und Holger sind ein wunderbares Paradebeispiel dafür. Da Holger 1 überhaupt nicht sonderlich intelligent ist, keine eigenen Ideen hat und einfach alles in einer Katastrophe endet, liebt man Holger 2 umso mehr. Dieser ist sehr schlau, doch steht sein Leben immer wieder Kopf, weil sein Bruder seine Arbeit wieder einmal zerstört hat. Dies führte bei mir vor allem am Ende zu purer Verzweiflung, wo ich Mitgefühl empfand Holger 2 gegenüber. Dennoch musste ich über genau diese Dummheit auch so oft lachen.
Jeder Charakter besitzt einen besonderen Charme, der der Geschichte etwas Urkomisches verleiht und sie ganz besonders macht. Facettenreich sind die Geschichten der Personen und ziehen den Leser in den Bann.

 

„Harry Potter und das verwunschene Kind“ von Joanne K. Rowling, John Tiffany und Jack Thorne

 

Neunzehn Jahre später. Harry ist mittlerweile Angestellter des Zaubereiministeriums und Vater von drei Kindern, und doch hat sich sein Leben nicht wirklich verändert. Ron und Hermine sind nach wie vor seine besten Freunde, die er oft sieht. Am 11. September kommt sein jüngster Sohn Albus nach Hogwarts, doch anders als seine Geschwister und Eltern, schickt der sprechende Hut ihn nach Slytherin. Dort trifft er auf den jungen Scorpius, mit dem er sich sofort versteht. Zusammen erleben sie viele Abenteuer. Plötzlich schmerzt Harrys Narbe wieder und es besteht Gefahr für die gesamte Zaubererwelt. Dabei steckt Albus mitten drin.
Mir war gleich klar, dass ich Harry Potter und das verwunschene Kind nicht auf Englisch lesen möchte, sondern auf die deutsche Ausgabe warte. Einerseits war ich unglaublich aufgeregt auf die Geschichte. Andererseits hatte ich aber auch große Angst vor ihr. Angst davor, dass sie mich enttäuschen wird, dass ich nicht zufrieden bin, wie das Buch ausgeht und Angst davor, dass ich meinen größten Kindheitsheld verliere. Ich wollte nicht auf die schönste Buchfreundschaft der Welt verzichten. Ich wollte, dass sie weiterleben. Für immer! Ein einziges Mal habe ich mich spoilern lassen und es war der schlimmste Spoiler überhaupt. Wochenlang habe ich in Angst verbracht vor diesem einen Moment. Und dann? Dann habe ich mich an die Geschichte getraut.
Harry Potter und das verwunschene Kind konnte mich vollkommen begeistern. Das die Geschichte wie ein Theaterstück aufgebaut ist, hindert den Lesefluss in keinster Weise. Ich las mich von Seite zu Seite und wollte gar nicht mehr damit aufhören. Ich habe mich so gefreut, Harry, Ron und Hermine wiederzubegegnen, ein weiteres Abenteuer mit ihnen zu erleben und vor allem, ihre Kinder kennenzulernen. Das Grundlegende, dass sich hier verändert, ist die Erzählform, denn in dem Theaterstück fehlen die ausführlichen Erklärungen, die normalerweise in einem Roman immer vorkommen. Stattdessen gibt es bei jedem Kapitel eine kurze Einleitung in die jeweilige Szene, eben so, wie man es aus dem Theater kennt. Trotzdem war ich unglaublich überwältigt von der Geschichte und habe sie sehr lieben gelernt. Die Charaktere sind neu und das gefiel mir sehr gut, denn ich wollte sehr gerne etwas von den Kindern von Harry, Ron und Hermine erfahren, da im siebten Teil einiges angedeutet wird.

 

„Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien

 

Mein absolutes Jahreshighlight 2016 ist Der Herr der Ringe. Ich habe mir vorgenommen, die Lektüre in diesem Jahr zu lesen, nachdem es so lange in meinem Regal stand und ich habe es geschafft. Als mein Unikat per Post zugestellt wurde, wollte ich sogleich damit beginnen, doch zunächst wollte ich mein angebrochenes Buch noch beenden. Ich bin so froh, dass ich die Geschichte beendet habe, denn es steht dem Film in nichts nach. Ich kann euch allen nur sagen, zweifelt nicht. Ihr werdet begeistert sein. Und auch wenn der Film bereits wunderbar ist, so zeigt das Buch noch einige andere Hinweise, die unglaublich wertvoll sind.

 

Buchgequassel

Gelesen habe ich in 2016 insgesamt 32 Bücher. Das macht pro Monat durchschnittlich drei Bücher, wobei ich in den letzten beiden Monaten gar nicht gelesen habe und vorher auch mal fünf in einem. Im nächsten Jahr möchte ich aber unbedingt mehr lesen und wieder regelmäßig bloggen. Gekauft habe ich mir 37 Bücher.

Wie angekündigt habe ich auch endlich meine eigene Domain gekauft und musste mich bei WordPress erst einmal zurechtfinden, was gar nicht so leicht war. Mittlerweile komme ich damit gut zurecht, wobei ich finde, dass bei Blogger einiges übersichtlicher war. Aber wie sagt man so schön? Man gewöhnt sich an alles. Mir ist es wichtig einen übersichtlichen Blog zu betreiben, bei dem die Fotos gut hervorkommen und das Wichtigste die Beiträge sind. Deswegen habe ich nun keine Sidebar mehr, sondern lediglich ein paar Widgets im unteren Bereich des Blogs. Wie gefällt euch mein neues Design und gibt es etwas, das euch stört? Ich freue mich über Anregungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.